Smart Cities Made in Germany – Deutsche Digitalstrategien stellen den Menschen und nicht die Technik in den Mittelpunkt

Deutsche Städte werden digitaler, und jede Kommune kann „smart“ werden, egal ob klein oder groß. Dies sind einige der zentralen Erkenntnisse aus zwei neuen Veröffentlichungen, an denen die unabhängige Smart-City-Plattform bee smart city beteiligt ist: der Bitkom-Studie „Smart City Atlas“ und dem „Handlungsleitfaden für Praktiker*innen Smart City / Smart Region“ unter der Schirmherrschaft der Beauftragten der Bundesregierung für Digitalisierung.

Der Smart City Atlas zeigt, wie deutsche Städte aktuell smarte Technologien einsetzen und planen, der Handlungsleitfaden analysiert, welche Schritte sinnvoll sind, um dabei tatsächlich die Interessen der Bürger*innen in den Mittelpunkt zu stellen und Kommunen lebenswerter zu machen. Nachdem auch die Bundesregierung in der gerade verabschiedeten Nationalen Industriestrategie 2030 die Förderung „intelligenter Kommunen“ beschlossen hat, ist die Vermittlung von Hintergrund- und Handlungswissen zentral, damit Deutschland und Europa in diesem Bereich international aufholen können.

Im internationalen Vergleich ist Deutschland ein Spätstarter, was digitale und vernetzte Städte angeht. Im Jahr 2016 etwa verkündete Indiens Premierminister Narendra Modi die 100 Smart Cities Mission in Indien. 2017 publizierte die australische Regierung ihr Programm 52-Smart-City-Projekte und im Jahr 2018 startete die chinesische Initiative PATH, um 500 Kommunen in China zu Smart Cities zu transformieren. 2019 folgt nun Deutschland. Dabei können die heimischen Initiativen allerdings die Fehler der Frühstarter vermeiden. Während Smart Cities der ersten Generation technologiegetrieben durch Unternehmen stattfanden, sollten hierzulande digitale Stadtkonzepte moderner und aufgeklärter definiert werden: integriert, lösungsorientiert, bürgerzentriert, lokal kokreiert und von Kommunen gesteuert.

Smart-City-Atlas

Im ersten Quartal 2019 hat das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) die Förderung kommunaler Smart Cities-Modellprojekte verkündet, um die Planung und Umsetzung digitaler Strategien für lebenswerte Städte zu fördern. Konkret sollen ca. 50 Modellprojekte mit rund 750 Mio. Euro über 10 Jahre gefördert werden und für das Jahr 2019 stehen dafür sogar schon rund 170 Mio. Euro im Bundeshaushalt zur Verfügung.

Dies hat das unabhängige Smart City Netzwerk "bee smart city", welches intensiven Wissenstransfer und kollektive Intelligenz ermöglicht, zum Anlass genommen, um mit Partnern unter dem Dach der Bitkom die Digitalstrategien 50 deutscher Städte auf dem Weg zur Smart City in Form eines "Smart City Atlas" zu analysieren und den "Handlungsleitfaden für Praktiker*innen: Smart City / Smart Region" zu veröffentlichen, der sich an der Smart City Charta des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBSR) orientiert und unter der Schirmherrschaft der Beauftragten der Bundesregierung für Digitalisierung steht.

Die Ergebnisse des "Smart City Atlas" zeigen, dass in den Städten in großer Breite die Notwendigkeit erkannt wurde, die Herausforderungen der digitalen Transformation aller Lebens- und Wirtschaftsbereiche vor Ort aktiv anzugehen und diese gemeinsam mit den Interessensgruppen vor Ort zu gestalten. Die Vorreiter-Kommunen sehen Förderprogramme als Initialzündung und verfolgen nachhaltig wirkende Stadtentwicklungskonzepte. Mehr als die Hälfte der betrachteten Städte befindet sich inmitten des Prozesses, ihre Digitale Agenda auszuformulieren.

Der Förderaufruf des BMI, welcher im zweiten Quartal 2019 in Form eines Wettbewerbs für die ersten rund 10 Smart Cities-Modellprojekte erfolgen soll, hat das Potenzial "Smart Cities made in Germany" zu beschleunigen. Das „sich auf den Weg machen“ erscheint hierbei geeigneter als die langwierige Erstellung umfangreicher und zugleich starrer Masterpläne; und genau hier setzt der "Handlungsleitfaden für Praktiker*innen: Smart City / Smart Region" an: Konkrete Handlungsschritte für die nachhaltige und praxisorientierte Transformation deutscher Kommunen zu "Smart Cities" bzw. "intelligenten Kommunen".

„Der Handlungsleitfaden befähigt Kommunen – ob groß oder klein, urban oder ländlich, gefördert oder ungefördert – systematisch zu einem nachhaltig prosperierenden und lebenswerteren Ort, welcher bedarfsorientiert den Menschen und nicht die Technik in den Mittelpunkt stellt, zu transformieren.“ erklärt Bart Gorynski, Mitgründer des globalen Smart City Netzwerks bee smart city und berufener Smart City Experte der Initiative Stadt.Land.Digital des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi).

„Smart City von der „City“ und nicht nur von der Technik aus zu denken, ist daher aus meiner Sicht genau der richtige Weg, und das unterstütze ich sehr gerne!“ ergänzt Dorothee Bär, MdB, Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung.

Der "Handlungsleitfaden für Praktiker*innen: Smart City / Smart Region" beschreibt wie ein Do-It-Yourself-Guide in einem Vorbereitungsschritt und drei konkreten Handlungsschritten den Transformationsprozess zur Smart City:

  • Das Smart City Ökosystem verstehen
  • Status Quo Analyse des Smart-City-Ökosystems
  • Potenzial- und Bedarfsanalyse
  • Selektion & Implementierung von Smart-City-Lösungen

Auf Basis der Untersuchungen des "Smart City Atlas" sowie der Umsetzungsstrategie des "Handlungsleitfaden für Praktiker*innen: Smart City / Smart Region" wird das unabhängige webbasierte Smart City Netzwerk „bee smart city“ eine kontinuierliche Analyse und Begleitung der deutschen Smart-City-Landschaft vornehmen.