Coronakrise gibt Digitalisierung einen Aufschwung

Erster Online-DigiLog wurde gut angenommen

Wie wichtig Digitalisierung in Zeiten von Corona ist, zeigte am Freitagabend der Bürger-DigiLog der Digitalen Heimat PB. Die Veranstaltung wurde das erste Mal online durchgeführt und live gestreamt. Unter dem Motto „#DigitalNah – Digitalisierung in Zeiten von Corona?“ wurde in zwei Diskussionsrunden diskutiert und darüber gesprochen was aus der Krise Neues entstanden ist.
Christiane Boschin-Heinz, Leiterin der Stabsstelle Digitalisierung der Stadt Paderborn, begrüßte die Bürgerinnen und Bürger aus dem Studio der Firmen lean-pro und AFV Medien zu einem etwas anderen Bürger-DigiLog. Während bei den vorherigen DigiLogen immer Gäste vor Ort waren, konnten die Zuschauer*innen nun per Live-Chat Fragen stellen. Auch Bürgermeister Michael Dreier war live im Studio und gab den Zuschauer*innen zunächst einen kleinen Einblick in die Arbeit eines Bürgermeisters, die zu diesen Zeiten statt aus persönlichen Kontakten vor Ort, nun stark von Telefonkonferenzen geprägt sei. Das Leben von allen sei auf den Kopf gestellt worden und niemand hätte damit rechnen können. Deshalb bedankte sich Dreier besonders bei der Stadtgesellschaft, die in der Krise stark zusammengerückt sei und sich gegenseitig geholfen habe: „Wir stehen vor unglaublichen Herausforderungen, aber ich bin auch davon überzeugt, dass wir sie gemeinsam meistern werden.“

Da die Krise besonders auch das Gewerbe, den Dienstleistungssektor und den Einzelhandel getroffen hat, wurde in der ersten Gesprächsrunde über das Thema „Regional online einkaufen“ gesprochen. Christiane Boschin-Heinz begrüßte hierzu Stefan Freise, Geschäftsführer der Internet und Marketingagentur code-X, und Uwe Seibel, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Paderborn. „Es hat schon geschmerzt zu sehen wie leer eine Stadt ohne Gastronomie und Handel ist“, so Uwe Seibel über die knapp einmonatige Schließung der Geschäfte. Besonders die inhabergeführten „kleinen“ Geschäfte hätten jedoch schnell kreative Wege gefunden, um in diesen Zeiten zu bestehen. Dass Kreativität und Mut zu enormen Ergebnissen führen kann zeigt auch der Hasentaler, ein Verzeichnis regionaler Händler, für Dienstleistungen und die Gastronomie, das vor allem für die Bürger*innen konzipiert wurde. Stefan Freise ist von Beginn an dabei und zog den Hasentaler mit einigen fleißigen Helfer*innen schnell hoch:  „Die Magie des Hasentalers ist, dass wir einfach ganz viel Energie darein gegeben haben und Glück hatten, zum richtigen Zeitpunkt mit der richtigen Marke, dem richtigen Geist und dem richtigen Feuer etwas gemacht zu haben, was sich dann auch durchgesetzt hat.“ Auch die Werbegemeinschaft macht sich für den Hasentaler stark. Uwe Siebel sieht den Hasentaler als wichtige digitale Ergänzung zu dem analogen Shoppingerlebnis und als „Werbegemeinschaft 2.0“. Der Vorsitzende der Werbegemeinschaft zieht ein Resümee aus der Krise: „Ich hoffe, dass wir die vielen intensiven Gespräche beibehalten und begriffen haben, dass Einzelhandel nicht einzeln denken und agieren bedeutet, sondern, dass man etwas im Verbund macht und gemeinsam Paderborn nach vorne bringt.“ Im Anschluss an die erste Gesprächsrunde wurde ein digitales Projekt vorgestellt: In den ersten Tagen und Wochen der Krise gab es zu wenig Schutzkleidung für Krankenhäuser, Pflegeheime und fehlende Desinfektionsmittel insgesamt. Die Stadt und der Kreis Paderborn haben schnell reagiert und gemeinsam mit der Paderborner Managementberatung UNITY innerhalb weniger Tage eine Plattform für Schutzmittel (schutzmittelplattform.de) aufgebaut.

Anschließend sprach Bürgermeister Michael Dreier mit Christiane Boschin-Heinz über Libori.digital, denn den Paderbornern schmerzt die Aussicht auf einen Sommer ohne Libori. Auch wenn das klassische „Liborifeeling“ nicht ersetzt werden kann, so wurde mit Libori.digital ein gutes Konzept entwickelt: Es wird einen virtuellen Bierbrunnen geben, kleine Konzerte werden gestreamt, für jeden Abend gibt es ein Programm. Auch die Schausteller und Pottmarktbeschicker sind kreativ und bieten ihre Produkte auf einem Digitalen Pottmarkt an.

In der zweiten Gesprächsrunde wurden Maxi Brautmeier-Ulrich, Schulleiterin der Grundschule Sande, Dr. Peter Lütke Westhues, Schulleiter Pelizaeus Gymnasium und Burkhard Pöhler, Leiter der Lernstatt Paderborn, auf die Bühne gebeten. Sie sprachen zusammen über das Thema „Lernstatt Paderborn“.  Seit zwei Jahrzehnten hat die Stadt Paderborn in einem bundesweit einzigartigen Projekt der Lernstatt eine einheitliche von Stadt und Rechenzentrum gemanagte IT-Grundstruktur für alle städtischen Schulen aufgebaut. Burkhard Pöhler: „Wir haben 19 000 Benutzerkonten von Lehrkräften und Schüler*innen, die von einem kommunalen Rechenzentrum verwaltet werden.“ Ursprünglich wurde die Lernstatt für den Gebrauch in der Schule konzipiert, nicht für das Homeschooling. Deshalb musste als die Schulen geschlossen auch nachgelegt werden, so Pöhler. Schulen wurden gefragt, was gebraucht wird, um das System nutzbringend zu erweitern. Der Datenschutz setze hier allerdings auch deutliche Grenzen – besonders für den Videounterricht. „Wir haben viel dazu gelernt und haben auch mehr Möglichkeiten. Wir werden beim nächsten Mal nicht so überrollt und sind jetzt besser vorbereitet. Der Dialog den wir derzeit mit den Pädagogen betreiben muss beibehalten werden, “, so Burkhard Pöhler. Nach den Sommerferien sollen mehrere Piloten an weiterführenden Schulen zur Anwendung von Microsoft Teams gestartet werden.

Eine gute Medienkompetenz der Kinder müsse gewährleistet sein, meinte Maxi Brautmeier-Ulrich. In den Grundschulen mussten zunächst einmal Kommunikationswege gesichert werden: Haben alle Schüler ihr Passwort und können mit der Cloud umgehen? Sind alle Eltern erreichbar – am Besten per Mail? Maxi Brautmeier-Ulrich: „Wir werden zukünftig noch mehr Wert legen auf eine Kommunikation mit den Eltern über Email und auch die Kinder werden wir hier mehr mit einbeziehen. Wir können den Kindern ruhig mehr zutrauen. Unser System, dass Kinder früh an die Technik herangeführt werden, werden wir beibehalten.“ Dr. Lütke Westhues stellte heraus, dass, auch wenn der Onlineunterricht in vielen Fällen Dinge erleichtert, der Präsenzunterricht durch nichts zu ersetzen sei. „Die Haltung gegenüber den Prozessen der Digitalisierung hat eine andere Bedeutung bekommen. Diese Offenheit und das Schauen nach einem Mehrwert soll beibehalten werden. Der Dialog zwischen Trägern und Schulen muss fortgeführt werden, damit wir zu guten Ergebnissen für die Schulen und für die Kinder kommen.“ Der Stresstest Corona zeigt also, dass digitale Technologien gerade in dieser Zeit großen Nutzen bringen können, auch wenn sie nicht alles ersetzen können. „Auch wenn es Grenzen gibt, sollten wir diesen positiven Aufschwung nutzen, um mutig voranzugehen“, schloss Christiane Boschin-Heinz den ersten Online-DigiLog ab. Da leider nicht alle Fragen beantwortet werden konnten, sollen einige der unbeantworteten Fragen nun zeitnah auf der Website der Digitalen Heimat PB beantwortet werden. Der gesamte Livestream kann auch jetzt noch nachträglich auf youtube.com/watch?v=YFpJg2uSGSc angesehen werden.

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Rege Diskussion rund um das Thema Bildung in Corona-Zeiten: v.l. Maxi Brautmeier-Ulrich, Schulleiterin der Grundschule Sande, Christiane Boschin-Heinz, CDO der Stadt Paderborn, Dr. Peter Lütke Westhues, Schulleiter Pelizaeus Gymnasium und Burkhard Pöhler, Leiter der Lernstatt Paderborn, diskutierten über die Chancen aber auch die Herausforderungen der Digitalisierung für das Lernen und Lehren in Paderborn.

Bildrechte: Stadt Paderborn

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